Schule und Sport im Griff – mit klugen Lernstrategien

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Ich bin eine “Hockey-Mum”. Einen Großteil meiner Woche verbringe ich in Eisstadien, feuere meinen Sohn an und unterhalte mich mit anderen Eltern, die – genau wie ich – ständig versuchen, Schulanforderungen, Trainingszeiten, Hausaufgaben und gelegentliche Nervenzusammenbrüche wegen den Französisch Vokabeln unter einen Hut zu bringen. Und ich kann sagen: Man muss nicht olympisches Gold anstreben, um den Druck zu spüren. Schon drei Trainingseinheiten pro Woche können den Familienalltag extrem strapazieren.

Zwischen Stundenplan und Spielplan

Viele Familien stehen permanent unter Druck: beim Mathetest gestrauchelt, beim Training zu spät – und beim Rest immer im Aufholmodus. Für die Kinder fühlt es sich oft so an, als würden sie ständig hinterherhinken – in der Schule und auf dem Spielfeld. Und für Eltern wird jeder Tag zur logistischen Meisterleistung mit einer Portion Sorge und Ermutigung.

Die Angst, in Schule oder Sport nicht zu genügen, ist real. Kinder wollen in beiden Bereichen ihr Bestes geben. Eltern möchten sie dabei unterstützen. Doch wenn die Erwartungen steigen und die Zeit knapp wird, bleibt schnell etwas auf der Strecke – oft mit Schuldgefühlen auf allen Seiten.

Unterstützung, die passt

Wie können Kinder also schulisch mithalten und gleichzeitig die positiven Effekte des Sports nutzen? Wie können Eltern und Lehrkräfte beim Balanceakt helfen, ohne dass der Stresspegel durch die Decke geht? Genau hier machen Lernstrategien, flexible Strukturen und ein Perspektivwechsel den Unterschied.

Anfang des Jahres habe ich das OYM College in Cham im Kanton Zug besucht – eine Schule für LeistungssportlerInnen, die Spitzensport mit flexiblem, selbstorganisiertem Lernen verbindet. Es ist ein inspirierendes Modell, das zeigt, was möglich ist, wenn man SchülerInnen nicht nur als Lernende, sondern als Menschen mit vielen Talenten und Leidenschaften unterstützt. Ich habe darüber für die Zeitschrift „Bildung Schweiz“ geschrieben. Den Artikel gibt es hier zum Nachlesen.

In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen als Lehrerin, Mutter und Gründerin von enduri – und zeige, was die Forschung über den Zusammenhang von Bewegung und kognitiver Entwicklung sagt. Außerdem möchte ich aufzeigen, wie enduri Lernende, Eltern und Lehrkräfte bei diesem Balanceakt unterstützt.


Flexibilität heißt nicht „Hausaufgaben machen auf der Umkleidebank“. Es bedeutet: alternative Lernstrukturen ermöglichen – mit verschiedenen Formaten, angepassten Deadlines und individuellen Strategien.*


Sport stärkt mehr als nur Muskeln

Warum Bewegung kognitive Entwicklung fördert

Studien zeigen: Regelmäßige Bewegung verbessert nicht nur die Koordination – sie fördert auch Konzentration, Gedächtnisleistung und Stimmung. Kinder, die sich regelmäßig bewegen, schneiden schulisch oft besser ab, weil körperliche Aktivität die Durchblutung des Gehirns steigert und Stress abbaut [1]. Bewegung wirkt sich auch direkt auf die mentale Gesundheit aus. Spaziergänge zum Beispiel reduzieren Angst- und Depressionssymptome und stärken die emotionale Resilienz von Kindern und Jugendlichen [5]. Sport dient also als natürlicher Stimmungsregulator und hilft, Emotionen besser zu steuern [6]. Zudem lernen Kinder im organisierten Sport wichtige soziale Fähigkeiten: Regeln einhalten, Feedback annehmen, Autoritäten respektieren. Diese Kompetenzen helfen auch in der Schule – etwa beim Umgang mit Erwartungen oder im sozialen Miteinander [7].

Der Selbstbewusstseins-Booster

Ein Teil eines Teams zu sein, sportlich besser zu werden oder einen neuen Move zu meistern, stärkt das Selbstvertrauen. Dieses positive Gefühl überträgt sich oft auch auf den Unterricht – besonders, wenn Kinder sich sowohl in der Schule als auch im Sport gesehen und unterstützt fühlen [2].


Der Druck prall gefüllter Wochen

Auch „normale“ Trainingspläne summieren sich

Drei Trainings pro Woche. Ein Spiel am Wochenende. Vielleicht noch Musikunterricht  – dazu die Sitzung des Schulparlaments und der Sponsorenlauf der Schule. Plötzlich sieht der Wochenplan eines Kindes aus wie der eines überbuchten Erwachsenen. Und Hausaufgaben? Freizeit? Meist Fehlanzeige. Klar ist: Übermüdete Kinder lernen nicht gut.

Eltern werden zu ProjektmanagerInnen

Als Eltern jonglieren wir oft mit Terminen und Verpflichtungen. Der Kalender wird zur Kampfzone (Geburtstage nicht vergessen!), Taschen packen (oder zumindest so tun), Snacks vorbereiten („natürlich nur Gesundes!“) und die Kinder daran erinnern, was nach dem Training noch ansteht (nein, ChatGPT macht die Hausaufgaben nicht). Das ist ein Fulltime-Job – nur ohne Stellenbeschreibung. Wenn dann auch noch Schulen keine Flexibilität ermöglichen, sind es nicht nur die Kinder, die unter Druck geraten. Es heißt, es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen. In Wahrheit? Ein Dorf und eine exzellente Koordinationsfirma.


Lernen braucht Strategie – nicht nur Zeit

Lernen ist ein Prozess, kein Sprint

Lernen bedeutet nicht, Inhalte „reinzupressen“ – sondern Zusammenhänge zu verstehen und Wissen langfristig aufzubauen. Wie im Sport: Routine und Wiederholung machen stark. Es ist harte Arbeit, manchmal frustrierend – und ohne Ausdauer kein Erfolg. Die richtigen Strategien machen hier den Unterschied. Wer weiß, wie man effektiv lernt, kann selbst knappe Zeitfenster gut nutzen.

Selbstständig heißt nicht allein

Bei enduri glauben wir an selbstständiges Lernen – aber nicht an Lernen im Alleingang. Kinder brauchen Strategien, auf die sie sich verlassen können: Wie organisiere ich eine Lerneinheit? Wie setze ich Prioritäten? Wie reflektiere ich nach einer Einheit? Das sind Kompetenzen, die man lernen und üben kann.

Verlässliche Lernstrategien sind für Lernende das, was die Verteidigung für einen Torhüter ist. Damit das Zusammenspiel funktioniert, braucht es Training, Kommunikation, Coaching – und ja, auch Missverständnisse Enttäuschungen. Aber wenn es „klickt“, wenn Einsatz und Unterstützung harmonieren, entsteht Vertrauen. Dann wird echter Fortschritt möglich: beim Lernen, im Sport – und im Leben.

Ein starkes Beispiel ist das OYM College. Dort setzen SchülerInnen – viele davon junge EishockeyspielerInnen – digitale Lerninstrumente ein und werden von Lerncoaches begleitet, die sie in ihrer Eigenverantwortung stärken. Genau diese Struktur wollen wir auch mit enduri bieten.


Wie enduri junge Lernende unterstützt

Eine Strategie passt nicht für alle

Jedes Kind lernt anders. Visuell, haptisch, auditiv – deshalb bietet enduri personalisierte Lernstrategien, die zum individuellen Lernprofil passen. Mit der Learner ID entdecken die Lernenden, wie sie am besten lernen: was hilft beim Fokussieren, Erinnern, Verstehen.

Doch Lernen geht nicht im Turbo-Modus. Fortschritt braucht Wiederholung, Reflexion und Anpassung. Lernstrategien sind ein hartes Stück Arbeit. Darum bietet enduri passende Werkzeuge für diesen Lernprozess: Reflexionsvorlagen für SchülerInnen, Coaching-Guides für Lehrkräfte. Lernen braucht nicht nur Tempo – sondern auch Substanz.

Digitale Unterstützung mit Wirkung

Motivation und Fokus sind keine Selbstläufer. Deshalb bring enduri Gamification-Elemente, Belohnungen, Ranglisten, motivierende Nachrichten und eine klare Struktur ins Spiel. Enduri unterstützt aber auch die Erwachsenen – mit Einblicken in Lernfortschritt, Präferenzen und Muster. Lernen wird damit zur Teamleistung.


Was Eltern und Lehrkräfte tun können

Flexibilität schaffen

Seien wir ehrlich: Ein Instrument wie enduri – selbst wenn es ein Gamechanger ist – kann nicht allein ganze Schulsysteme umkrempeln. Aber es kann eine wichtige Botschaft vermitteln: Flexibilität ist keine Ausnahme, sondern Notwendigkeit.

Und nein, Flexibilität heißt nicht „Hausaufgaben machen auf der Umkleidebank“. Es bedeutet: alternative Lernstrukturen ermöglichen – mit verschiedenen Formaten, angepassten Deadlines und individuellen Strategien. Studien zeigen, dass flexible Lernumgebungen die Selbstständigkeit fördern und das Abbruchrisiko senken – besonders bei SchülerInnen, die Schule mit anderen Verpflichtungen vereinbaren müssen [4]. Anpassbare Stundenpläne, digitale Werkzeuge und verständnisvolle Lehrkräfte sind kein Luxus – sie sind essenziell.

Coach sein – nicht RetterIn

Eltern müssen nicht alle Antworten haben. Aber sie können Reflexion, Planung und Selbstständigkeit begleiten. Nur: Wie erfahren wir als Eltern, wie unsere Kinder wirklich lernen? Hat je eine Lehrkraft gesagt: „Übrigens, Ihr Sohn organisiert sein Lernen super“? Wahrscheinlich nicht.

Deshalb ist dieser Perspektivwechsel so wichtig – weg vom Inhalts-Coaching, hin zur Prozessbegleitung. Genau das unterstützt enduri: Lernstrategien sichtbar machen, zugänglich machen, in den Alltag holen – für Lernende, Eltern und Lehrkräfte. Willkommen im Support-Team: www.enduri.org.


  • Für alle Eishockey-Fans: Das Foto zeigt die Eisbahn im Alexandra Palace in London, liebevoll „Ally Pally“ genannt. Eine Besonderheit: der gehäkelte Vorhang als Plexiglas-Ersatz. Vor jedem Training mussten SpielerInnen und Eltern ihn per Hand zuziehen. Aber keine Sorge: Seit 2024 gibt’s auch dort richtige Glasscheiben.

Quellen:

  1. Donnelly, J. E., et al. (2016). Körperliche Aktivität, Fitness, kognitive Funktion und schulische Leistungen bei Kindern. Pediatrics.
    👉 Link zur Studie
  2. Eime, R. M., et al. (2013). Psychologische und soziale Vorteile der Sportteilnahme bei Kindern und Jugendlichen – ein systematischer Überblick. Int. Journal of Behavioral Nutrition.
    👉 Link zur Studie
  3. Wüthrich, C. (2025). Balancing between sports and school.
    👉 Artikel auf wuethrich.eu
  4. Fotiadou, A., et al. (2017). Lernendenautonomie als Faktor im Fernunterricht. European Journal of Open, Distance and e-Learning.
    👉 Studie als PDF
  5. Biddle, S. J. H., & Asare, M. (2011). Bewegung und psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen – Überblick über Reviews. British Journal of Sports Medicine.
    👉 Link zur Studie
  6. Lubans, D. R., et al. (2012). Einfluss von Bewegungsprogrammen auf sozial-emotionales Wohlbefinden gefährdeter Jugendlicher. Child and Adolescent Mental Health.
    👉 Link zur Studie
  7. Holt, N. L., et al. (2017). Positive Jugendentwicklung durch Sport – eine Übersicht. Revista de Psicología del Deporte.
    👉 PDF über Redaly


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